Aktuelles
Gemeindekirchen-Rad im Kirchenkreis unterwegs
Im Winter 2011/12 ist ein auffälliges Fahrrad in der Stadt Oldenburg
zu sehen: Ein "Gemeindekirchen-Rad", das für die Gemeindekirchenrats-Wahl
am 18. März wirbt. Das Damen-Hollandrad ist in verschiedenen Gemeinden
und Stadtteilen unterwegs und weist auf die Wahl hin. Alle Gemeindeglieder
über 16 Jahren sind aufgerufen, sich an der Wahl zu beteiligen,
denn "Ihre Stimme zählt"!


Zukunft
im Blick: Gemeinde und Kirche im Jahr 2030
Gesellschaftliche Veränderungen frühzeitig erkennen
Wie wird das Gemeindeleben der evangelischen Kirche im Jahr 2030 aussehen?
Welche Aufgaben kann und muss die Kirche in Zukunft übernehmen?
Wie werden Ehrenamtliche eingebunden sein? Spannende Fragen wie diese
diskutierten die rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des "Open
Space". Dieses offene Diskussionsforum zum Thema "Suchet der
Stadt Bestes - die evangelische Kirche in der Stadt Oldenburg unterwegs
ins Jahr 2030", hatte der Kirchenkreis am vergangenen Wochenende
unter der Leitung der Kreispfarrerin Ulrike Hoffmann im Gemeindezentrum
Bloherfelde initiiert.
Kreispfarrerin Hoffmann und das Moderatoren-Team leiten durch den
Tag, Foto: Anke Brockmeyer
Kirchenvertreter, Ehrenamtliche und andere interessierte Gemeindemitglieder
aller Altersgruppen waren gezielt eingeladen worden, um die Zukunft
der Kirche in Oldenburg zu diskutieren, Probleme zu benennen und Denkanstöße
zu geben. "Es ist wichtig, dass beim Open Space auch Menschen dabei
sind, die mit der Kirche nicht so eng verbunden sind und einen distanzierteren
Blick von außen bieten können", hob Moderatorin Kerstin
Richter die Bedeutung der Teilnehmer hervor, die nicht in der Gemeindearbeit
involviert sind.
Wie viele Themen den Mitwirkenden unter den Nägeln brannten, zeigte
der Aufruf zur Stoffsammlung: Innerhalb kürzester Zeit hatte sich
eine Warteschlange vor den ausgelegten Arbeitsblättern gebildet;
um zu allen Themen Arbeitsgruppen anbieten zu können, mussten zusätzliche
Räume geöffnet werden.

Es gab einen wahren "Run" auf die Blätter mit denen
Themenvorschläge gemacht werden konnten, Foto: Anke Brockmeyer
Mehr als 40 Themen wurden diskutiert, die Bandbreite reichte von Fragen
der Nachhaltigkeit und Ethik bis zum Umgang mit Immobilien und der Kirche
als Arbeitgeber. Einige Punkte kristallisierten sich klar heraus. Dazu
gehörte die Frage, ob sich die Kirche künftig soziale Aufgaben
wie die Diakonie noch leisten könne, und die Schwierigkeit, junge
und alte Menschen gleichermaßen mit den gemeindlichen Angeboten
anzusprechen. Ein interessanter Aspekt in diesem Zusammenhang: kinderlose
Erwachsene im Alter zwischen 25 und 45 Jahren, die nicht über Familienangebote
in die Gemeinde eingebunden werden können und für die gezielte
Projekte erarbeitet werden könnten. Auch eine deutliche Warnung
war nicht zu überhören: Ehrenamtlichen aus Kostengründen
Aufgaben zu übertragen, die bisher von hauptamtlichen Kräften
übernommen wurden, werde auf Dauer nicht funktionieren. Augenmaß
und ein gesundes Gleichgewicht zwischen haupt- und ehrenamtlichen Tätigkeiten
sei für die Zukunft wichtig. Gleichzeitig müsse darauf geachtet
werden, das individuelle Potenzial der engagierten Gemeindemitglieder
zu erkennen und gezielt zu nutzen.

Immer wieder stellte sich die Frage, in welche Gruppe gehe ich jetzt?
Foto: Anke Brockmeyer
Die Rolle der Pastoren rückte ebenfalls in den Fokus. Welche Aufgaben
werden sie künftig übernehmen können und delegieren müssen?
Werden sie eher Manager oder Seelsorger sein? Gerade hinsichtlich eines
zu erwartenden Theologenmangels entwickelten die entsprechende Arbeitsgruppen
Lösungsansätze, zu denen unter anderem die klare Entlastung
des Pfarramtes von Verwaltungsaufgaben gehörte, aber auch eine
ämterübergreifende Aufgabenverteilung und Flexibilisierung
des Gemeindeverständnisses. Gleichzeitig forderten die Teilnehmer
des "Open Space" eine stärkere Politisierung der Gemeinden.
So könne die Kirche gesellschaftliche Themen, die die Menschen
bewegen, eher erkennen.
Einem strittigen Thema gab eine weitere Arbeitsgruppe ein Forum: Hat
die evangelische Ehe-, Familien- und Lebensberatung in der Stadt noch
eine Zukunft? Die Gruppe plädierte ganz klar dafür und widersprach
damit den Beschluss der Synode von 2006, die Beratungsstelle zu schließen.
Möglich sei eventuell, so ein Lösungsansatz der Teilnehmer,
eine gemeinsame Beratungsstelle der Kirchengemeinden, die sich auch
für Nichtchristen öffne.

Junge Menschen bringen ihre Zukunftsthemen ein, Foto: Anke Brockmeyer
Eines wurde an diesem Wochenende ganz deutlich: Alle gesellschaftlichen
Veränderungen haben Einfluss auch auf die kirchlichen Belange.
Der demografische Wandel stellt ebenso eine Herausforderung für
den Gemeindealltag dar wie die Einrichtung von Ganztagsschulen mit einer
veränderten Freizeitgestaltung der Kinder; Wirtschaftskrisen und
Umweltprobleme spiegeln sich nicht nur in der Gesellschaft, sondern
auch in der Kirche wider. Um für die Zukunft gerüstet zu sein,
muss sich die Kirche Themen wie diesen immer wieder neu stellen.
Text und Fotos: Anke Brockmeyer